Kratzer entfernen am Auto klappt selbst nur bei flachen Kratzern im Klarlack, bei denen der Fingernagel nicht hängt; dort reichen laut ADAC Autopolitur oder Schleifpaste. Zeigt der Kratzer eine andere Farbe, ist er bis zur Grundierung durchgedrungen und gehört zeitnah in die Werkstatt, sonst droht Rost. Tiefe Kratzer beseitigte in einem Auto-Bild-Vergleich von zehn Kratzerentfernern keines der Produkte.
Inhalt
- Wie erkennst du, wie tief ein Kratzer im Lack ist?
- Aus welchen Schichten besteht der Autolack, und was bedeutet das für Kratzer?
- Wann reicht eine Politur oder ein Kratzerentferner?
- Was brauchst du, und wie bereitest du die Stelle vor?
- Lohnt sich eine Poliermaschine für Kratzer?
- Wann helfen Lackstift, Reparaturset und Smart Repair?
- Wie entfernst du Kratzer auf Kunststoff, außen und innen?
- Was taugen Hausmittel wie Zahnpasta, WD-40 oder Nagellack?
- Wann gehört der Kratzer in die Werkstatt?
- Häufige Fragen
Wie erkennst du, wie tief ein Kratzer im Lack ist?
Du erkennst die Tiefe mit dem Fingernagel-Test und mit der Farbe: Gleitet der Nagel über den Kratzer und bleibt die Lackfarbe gleich, sitzt er im Klarlack. Hakt der Nagel, ist der Kratzer tiefer. Schimmert eine andere Farbe durch, ist er bis zur Grundierung oder zum Blech durchgedrungen. Der ADAC nennt genau dieses Farbkriterium als Entscheidung, ob das Auto zeitnah in die Werkstatt muss (ADAC, Kratzer im Autolack entfernen, 01.04.2026).
Die britische Verbraucherorganisation Which? unterscheidet in ihrem Kratzerentferner-Vergleich drei Typen: flache Kratzer im Klarlack, mittlere Kratzer durch den Klarlack in den Basislack und tiefe Kratzer bis zur Grundierung oder zum Metall. Zum Fingernagel-Test schreibt sie: Bleibt der Nagel hängen, ist es mindestens ein mittlerer Kratzer (Which?, Februar 2021). Die folgende Tabelle fasst beides zusammen.
| Kratzertyp | Fingernagel-Test | Das siehst du | Sinnvolle Maßnahme |
|---|---|---|---|
| Flach, nur im Klarlack | Nagel gleitet darüber | Heller Strich oder feine Linien, Lackfarbe unverändert | Politur oder Kratzerentferner |
| Mittel, bis in den Basislack | Nagel bleibt leicht hängen | Kante spürbar, Farbe meist noch gleich | Reparaturset, Lackstift oder Smart Repair |
| Tief, bis Grundierung oder Blech | Nagel hakt deutlich | Andere Farbe (hell, grau, metallisch) im Kratzer | Zeitnah Werkstatt, sonst droht Rost |
Prüfe den Kratzer erst nach einer gründlichen Reinigung. Staub, Wachsreste oder Insektenreste täuschen sonst Kratzer vor, die gar keine sind. Wie du den Lack vorab schonend wäschst, steht in der Waschanleitung.
Tipp: Der Nass-Test (eigene Einordnung)
Spüle die Stelle mit Wasser ab und schau bei Tageslicht aus mehreren Winkeln darauf. Verschwindet die helle Linie fast, solange der Kratzer nass ist, sitzt er sehr wahrscheinlich nur im Klarlack. Das ist eine Faustregel aus der Praxis, keine Quellenangabe. Verlasse dich im Zweifel auf den Fingernagel-Test.
Aus welchen Schichten besteht der Autolack, und was bedeutet das für Kratzer?
Ein Serienlack besteht aus vier Schichten: Elektrotauchgrundierung, Füller, Basislack und Klarlack. Zusammen sind sie nur etwa 100 bis 130 Mikrometer dick, also rund ein Zehntel Millimeter. Das nennt eine Kfz-Meisterwerkstatt als typischen Werksaufbau; als Werksstandard gibt sie 80 bis 140 Mikrometer an (KFZ Dietrich, Lackdickenmessung, abgerufen Oktober 2026). Die Werte unterscheiden sich je nach Hersteller und Karosserieteil. Sie sind ein Richtwert, kein Datenblatt.
| Schicht | Aufgabe | Typische Dicke laut Werkstattquelle |
|---|---|---|
| Elektrotauchgrundierung (KTL) | Korrosionsschutz auf dem Blech | 20 bis 25 µm |
| Füller | Gleicht Unebenheiten aus, schützt vor Steinschlag | 30 bis 40 µm |
| Basislack | Gibt die Farbe | 15 bis 20 µm |
| Klarlack | Glanz und Schutz vor UV, Chemie und Kratzern | 35 bis 45 µm |
Was folgt daraus für dich?
Nur der Klarlack lässt sich durch Polieren glätten. Eine Politur arbeitet mit Schleifpartikeln und trägt dabei einen Teil des Klarlacks ab, so beschreibt es der ADAC: Die Partikel glätten den Kratzer und füllen kleine Vertiefungen. Wie viel abgetragen wird, hängt von Mittel, Pad, Druck und Dauer ab. Weil der Klarlack nur etwa ein Drittel des Lackaufbaus ausmacht, ist seine Reserve begrenzt. Das ist unsere Einordnung aus den Zahlen: Poliere gezielt und nicht aus Gewohnheit. Mehr zur Lackschichtdicke findest du im Glossar.
Ein Kratzer, der den Klarlack durchtrennt, lässt sich nicht mehr wegpolieren. Dort fehlt Material. Dann bleibt nur das Auffüllen mit Lack: mit Lackstift, Smart Repair oder in der Werkstatt.
Das brauchst du
- Kratzerentferner: Für flache Kratzer im Klarlack, Auswahl nach einphasig oder zweiphasig und Anwendbarkeit
- Poliermaschine: Für mehrere Stellen, Dual-Action ist für Einsteiger meist die sicherere Wahl
- Akku-Poliermaschine: Für kleine Reparaturen ohne Kabel, etwa an Stoßfängern und Spiegelkappen
- Lackstift: Für Steinschläge und kleine tiefe Kratzer, passend zum Farbcode des Fahrzeugs
- Mikrofasertuch: Zum schonenden Auftragen, Abnehmen und Trocknen ohne neue Kratzer
- Reinigungsknete: Entfernt festsitzende Partikel vor dem Polieren, damit nichts in den Lack gerieben wird
- Kunststoffpflege: Für vergraute, unlackierte Anbauteile, die wie Kratzer wirken
Wann reicht eine Politur oder ein Kratzerentferner?
Eine Politur oder ein Kratzerentferner reicht bei feinen Kratzern, die nur im Klarlack liegen und bei denen der Fingernagel nicht hängt. Der ADAC schreibt, bei feinen Schrammen könne Polieren mit handelsüblicher Autopolitur bereits ausreichen (ADAC, 01.04.2026). Für tiefere Kratzer reichen diese Mittel nicht.
So gehst du Schritt für Schritt vor
- Reinigen: Wasche die Stelle mit warmem Wasser oder Autoshampoo-Schaum. Spüle groben Schmutz vorher ab, damit du keine Körner in den Lack reibst (ADAC).
- Entfetten: Der ADAC nennt Reinigungsbenzin und Wattestäbchen für kleinste Schmutzpartikel. Beachte die Hinweise des Herstellers zu Brennbarkeit und Lüftung.
- Trocknen: Lass die Stelle an der Luft trocknen oder tupfe sie mit einem weichen, sauberen Mikrofasertuch ab.
- Politur auftragen: Arbeite in kleinen Abschnitten mit kreisenden Bewegungen. Der ADAC weist darauf hin, dass Politur schnell antrocknet.
- Abnehmen: Entferne die Reste mit einem sauberen, weichen Tuch und prüfe das Ergebnis bei Tageslicht.
- Schützen: Trage danach Wachs oder Versiegelung auf, denn die polierte Stelle ist ungeschützt. Mehr dazu im Ratgeber Auto versiegeln.
Tipp: Erst an unauffälliger Stelle testen
Viele Hersteller raten, das Produkt zuerst an einer versteckten Fläche auszuprobieren. Das gilt besonders für matte oder lackierte Kunststoffteile und für Folien. Wer sie ohne Test poliert, riskiert Flecken.
Was sagen unabhängige Tests zu Kratzerentfernern?
Ein aktueller, vollständig unabhängiger Vergleich mit eigener Messung liegt uns nicht vor. Wir haben nichts selbst gemessen. Wir werten drei externe Quellen aus und nennen ihre Grenzen:
- Auto Bild mit der Prüforganisation KÜS: Zehn Kratzerentferner, vier zweiphasige und sechs einphasige. Getestet wurde laut Auto Bild im September 2022 auf einer mattierten, schwarzen Lackplatte. Der Artikel wurde am 19. Mai 2026 aktualisiert. Das beste Ergebnis erzielte der Dr. Wack A1 Kratzer Polish mit 259,5 von 300 Punkten (Note 1,6). Als Preis-Leistungs-Sieger nennt Auto Bild den Autosol Kratzer-Entferner. Das Fazit: Alle Produkte entfernen nur oberflächliche Kratzer im Klarlack, und tiefe Kratzer bis zum Decklack oder zur Grundierung beseitigt keines davon.
- Wichtiger Prüftrick: Auto Bild wischte die Fläche nach der Behandlung mit einer Alkohollösung ab. So zeigt sich, ob ein Kratzer wirklich entfernt oder nur mit Silikon überdeckt wurde. Der letztplatzierte Nigrin-Entferner (Note 3,9) ließ nach dem Abwischen kaum eine Verbesserung erkennen, so Auto Bild.
- auto motor und sport über t-online: t-online berichtet (zuletzt aktualisiert am 18.02.2026) über einen Test von auto motor und sport, bei dem der A1 Kratzer Polish in der Kernkategorie Kratzerentfernung überzeugte. Den Originalartikel konnten wir nicht abrufen. Die Angabe stützt sich auf den t-online-Bericht.
Die Auswahl nach Kriterien findest du in der Bestenliste Kratzerentferner. Beachte dabei, dass Tests von Produktchargen und Rezepturen abhängen und sich Produkte ändern können.
Wie lange hält die Wirkung?
Which? wusch die behandelten Flächen fünfmal mit Autoshampoo. Bei den meisten Produkten tauchten die Kratzer vor der fünften Wäsche wieder auf. Bei drei Produkten überlebte die Reparatur eine Wäsche, bei drei weiteren zwei Wäschen, bei einem vier Wäschen. Nur das beste Produkt überstand alle fünf (Which?, Februar 2021). Diese Zahlen stammen aus Großbritannien und von 2021, sie zeigen aber das Prinzip: Füllende Mittel verschwinden mit der Zeit wieder, abtragende Politur wirkt dauerhaft.
Was brauchst du, und wie bereitest du die Stelle vor?
Du brauchst Autoshampoo, saubere Mikrofasertücher, einen Kratzerentferner oder eine Politur und, wenn der Kratzer tiefer ist, einen Lackstift im passenden Farbcode. Für festsitzende Partikel gehört außerdem eine Reinigungsknete dazu. Which? betont, dass die Vorbereitung entscheidend ist: Wer die Stelle nicht mit Autoshampoo wäscht, kann Sand oder Grit mit dem Tuch über den Lack reiben und den Kratzer verschlimmern (Which?, Februar 2021).
| Material | Wofür | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Autoshampoo und Wasser | Grobe Vorreinigung | Erst abspülen, dann mit Schaum arbeiten, damit keine Körner in den Lack gelangen |
| Reinigungsknete | Festsitzende Partikel wie Flugrost lösen | Auto Zeitung: reinigt den Lack tiefenwirksam. AutoScout24 warnt, dass sie härtere Partikel aufnehmen und bei zu viel Druck Kratzer verursachen kann |
| Kratzerentferner oder Politur | Flache Kratzer im Klarlack glätten | Einphasig oder zweiphasig, Herstellerangabe zu Untergrund und Einwirkzeit lesen |
| Lackstift | Tiefere, kleine Schäden auffüllen | Farbcode vom Typenschild, nicht nach Augenmaß |
| Mikrofasertuch | Auftragen, Abnehmen, Trocknen | Pro Arbeitsschritt ein sauberes Tuch, bei Fall auf den Boden wechseln |
| Abklebeband | Unlackierte Kunststoffteile und Gummis schützen | Politurreste lassen sich aus der Narbung kaum entfernen (KFZ Dietrich) |
Welche Fehler verschlimmern einen Kratzer?
Das sind die häufigsten Fehler. Die Einordnung ist unsere und stützt sich auf die genannten Quellen:
- Trocken wischen oder mit dreckigem Tuch arbeiten: Staub und Sand wirken wie Schleifpapier. Which? nennt das als Risiko beim Polieren auf ungereinigtem Lack.
- In der prallen Sonne polieren: Laut Which? funktionieren nicht alle Kratzerentferner in direktem Sonnenlicht. Die Anleitung des Herstellers sagt es, wenn es so ist.
- Zu grobes Mittel zuerst: Beginne mit dem mildesten Produkt. Auch der ADAC rät bei Zahnpasta ab, weil zu grobe Partikel den Lack zusätzlich beschädigen können.
- Zu lange an einer Stelle: Jede Politur trägt Klarlack ab. Prüfe das Ergebnis nach jeder Runde.
- Politurreste auf Kunststoff lassen: Abkleben spart später aufwendige Reinigung.
- Nach der Politur nicht schützen: Die Stelle ist blank. Ein Wachs oder eine Versiegelung schließt sie wieder.
Lohnt sich eine Poliermaschine für Kratzer?
Für einzelne feine Kratzer lohnt sie sich meist nicht, für mehrere Stellen oder ein ganzes Auto kann sie Zeit sparen. Which? testete einen elektrischen Polierer an mittleren und tiefen Kratzern und fand keinen deutlich besseren Effekt als beim Auftragen von Hand mit Mikrofasertuch (Which?, Februar 2021). Für Kratzer, die in den Lack reichen, empfiehlt Which? die Werkstatt.
Worauf kommt es bei der Maschine an?
Das ist unsere Einordnung, keine Messung: Eine Maschine arbeitet schneller und gleichmäßiger als die Hand, trägt aber auch schneller Material ab. Das Risiko liegt bei Kanten, Sicken und Stoßfängerecken, wo der Lack dünner ist. Einsteiger sind mit einer Dual-Action-Maschine besser aufgehoben, weil sie weniger Wärme in eine Stelle bringt als eine Rotationsmaschine. Das Zusammenspiel von Polierpad und Politur beschreibt der Ratgeber Auto polieren. Vergleichskriterien stehen in den Bestenlisten Poliermaschine und Akku-Poliermaschine.
Achtung: Nicht durchschleifen
Auto Bild warnt bei Sets mit Nassschleifpapier, dass man bei Unachtsamkeit schnell auf den Decklack oder bis auf die Grundierung durchschleift. Dann hilft laut Auto Bild auch keine Politur mehr. Wer unsicher ist, beginnt mit dem mildesten Mittel und lässt ansonsten einen Fachbetrieb arbeiten.
Wann helfen Lackstift, Reparaturset und Smart Repair?
Ein Lackstift hilft bei kleinen, tiefen Schäden wie Steinschlägen. Smart Repair hilft bei Schrammen, die sich nicht mehr wegpolieren lassen. Der ADAC empfiehlt einen Lackstift, wenn der Lackschaden größer ist und sich weder mit Politur noch mit Reparaturset ausbessern lässt (ADAC, 01.04.2026).
Lackstift richtig anwenden
- Farbcode finden: Der meist dreistellige Code steht laut ADAC auf einem Schild oder Aufkleber, zum Beispiel unter der Motorhaube, an der Fahrertür, unter der Kofferraumabdeckung oder in der Betriebsanleitung. Viele Autohersteller bieten passende Lackstifte an.
- Stelle reinigen: Gleiches Vorgehen wie bei der Politur: sauber, fettfrei, trocken.
- Auftragen: Gib einige Tropfen auf den Gummispachtel und ziehe ihn sorgfältig über den Kratzer (ADAC).
- Trocknen lassen: Überschüssige Farbe entfernst du erst, wenn der Lack trocken ist, mit flüssiger Lackreparatur und Poliertuch.
- Nachbehandeln: Poliere die Stelle in kleinen Segmenten und versiegele sie zum Schluss (ADAC).
Der ADAC weist darauf hin, dass bei punktuellen Reparaturen Farbabweichungen zum Rest des Bauteils entstehen können. Mehr zu den Produkten findest du in der Liste Lackstift.
Wann ist Smart Repair die bessere Wahl?
Bei Smart Repair bessert ein Betrieb kleinere kosmetische Schäden per Spot-Lackierung oder Beilackierung mit Airbrush-Pistole aus. Der ADAC nennt das schnell und günstig. Bei sehr großen Kratzern stößt das Verfahren aber an Grenzen: Auf einer Motorhaube können ausgebesserte Stellen durch Lichtspiegelungen sichtbar werden, dann ist eine Neulackierung des ganzen Teils womöglich besser.
ADAC-Tipps für die Werkstatt
Vergleiche vorab die Smart-Repair-Angebote mehrerer Betriebe, denn die Preisunterschiede können erheblich sein. Fotografiere den Schaden vor der Reparatur, falls du reklamieren musst. Kläre am Auto im Detail, was gemacht wird und was es kostet.
Wie entfernst du Kratzer auf Kunststoff, außen und innen?
Das hängt davon ab, ob das Teil lackiert ist. Lackierte Stoßfänger behandelst du wie Lack. Unlackierter Kunststoff verträgt keine Politur, und Kratzer in der Struktur lassen sich dort nur begrenzt beheben. Eine Werkstatt schreibt dazu: Lackierte Stoßfänger und Anbauteile werden wie der Lack behandelt, unlackierte Schweller, Radlaufverkleidungen, Spiegelkappen und Zierleisten vergrauen mit der Zeit (KFZ Dietrich, Kunststoffpflege, abgerufen Oktober 2026).
Lackierte Stoßstange
Oberflächliche Kratzer lassen sich laut einem Händler-Ratgeber oft durch Polieren entfernen. Ist der Kratzer mit dem Fingernagel spürbar, ist ein Lackauftrag nötig (NonPaints, Stoßstange reparieren, abgerufen Oktober 2026). Die Quelle verkauft selbst Zubehör, sie ist deshalb nur eine Orientierung. Der Ablauf entspricht dem Fingernagel-Test oben.
Unlackierter Kunststoff außen
Graue Schleier sind oft keine Kratzer, sondern UV-bedingtes Ausbleichen. Dagegen helfen Reinigung und Auffrischer, wie sie in der Kunststoffpflege-Liste beschrieben sind. Tiefe Kerben in der Struktur lassen sich nach unserer Einordnung ohne Spachtel und Neulackierung nicht beseitigen. Beim Polieren des Lacks klebst du unlackierte Teile ab, denn Politurreste setzen sich in der Narbung fest und lassen sich kaum wieder entfernen (KFZ Dietrich).
Innenraum und Klavierlack
Hochglänzende Zierblenden sind laut KFZ Dietrich extrem kratzempfindlich. Trockenes Wischen zieht Staubkörner über die Oberfläche und hinterlässt ein feines Kratzernetz. Feine Schleier lassen sich häufig mit geeigneter Politur und passendem Pad wegarbeiten, tiefe Kratzer reichen ins Material und sind nur begrenzt korrigierbar. Reinige Klavierlack nur feucht mit sauberem, weichem Mikrofasertuch, nie trocken und nie mit Papiertüchern.
Achtung: Hitze und Lösemittel
In Foren werden Heißluftföhn und Feuerzeug gegen Kratzer auf Kunststoff genannt. Für ein sicheres Standardverfahren fanden wir keine belastbare Quelle. Wärme kann Kunststoff verformen oder die Oberfläche verändern. Probiere so etwas höchstens an einer verdeckten Stelle und nie an Airbag-Abdeckungen, Sensorflächen oder lackierten Teilen.
Was taugen Hausmittel wie Zahnpasta, WD-40 oder Nagellack?
Hausmittel taugen bestenfalls zum Kaschieren, nie zum Entfernen tiefer Kratzer, und manche machen den Schaden schlimmer. Das gilt auch für die Suche nach „tiefe Kratzer Hausmittel“: Kein Hausmittel füllt oder poliert einen Kratzer bis zur Grundierung dauerhaft weg.
| Hausmittel | Was die Quelle sagt | Unsere Einordnung |
|---|---|---|
| Zahnpasta | ADAC: Beliebt, aber kritisch. Sind die Schleifpartikel nicht fein genug, beschädigen sie den Lack zusätzlich. Es fehlt außerdem das Finish, das die Stelle dauerhaft schützt. | Nicht empfohlen, eine Autopolitur ist für den Zweck gemacht |
| Nagellack | ADAC: No-Go. Farbton schwer zu treffen, im Sommer wirft er Blasen oder bröckelt ab. | Nicht verwenden |
| WD-40 | Which?: Versteckt flache Kratzer, brauchte vier Anwendungen für einen sichtbaren Effekt und war nach der ersten Wäsche weg. | Höchstens kurzfristig, kein Reparaturmittel |
| Politur oder Schleifpaste aus dem Handel | ADAC: Eine Schleifpaste kaschiert oberflächliche Kratzer meist schon gut. | Sinnvoller Einstieg bei feinen Kratzern |
Heidelberg24 ergänzt in seinem Bericht über die ADAC-Empfehlung (25.05.2022), Zahnpasta sei zum Putzen von Scheinwerfern oder Felgen bestens geeignet. Das ist ein anderer Anwendungsfall als Lack.
Achtung: Lösemittel
Reinigungsbenzin und viele Lackreiniger sind entzündlich und reizen Haut und Augen. Arbeite mit Handschuhen, gut gelüftet und ohne offene Flamme. Lies die Sicherheitshinweise des Herstellers.
Wann gehört der Kratzer in die Werkstatt?
Er gehört in die Werkstatt, sobald eine andere Farbe im Kratzer sichtbar wird, der Kratzer großflächig ist oder dein Eingriff sichtbare Farbabweichungen riskiert. Der ADAC warnt: Tiefere Kratzer, die die Grundierung beschädigt haben, sollte man nicht nur aus kosmetischen Gründen behandeln. Unbehandelt fängt die Stelle an zu rosten, und das zieht eine deutlich aufwendigere Reparatur nach sich (ADAC, 01.04.2026).
| Situation | Einordnung | Empfehlung |
|---|---|---|
| Feine Linien, Nagel gleitet | Klarlack-Kratzer | Selbst polieren |
| Kratzer von Fahrradlenker, Reißverschluss oder Ast, Nagel hakt leicht | Mittlere Tiefe | Reparaturset oder Lackstift, bei großer Fläche Smart Repair |
| Metallisch oder helle Farbe sichtbar | Grundierung oder Blech frei | Zeitnah Werkstatt oder Spezialbetrieb |
| Kratzer läuft über eine Kante oder Sicke | Wenig Lackreserve, Gefahr der Beschädigung | Fachbetrieb |
| Großer Schaden auf Motorhaube oder Dach | Ausbesserung bleibt im Licht sichtbar | Neulackierung des Teils prüfen lassen |
| Rostbläschen, Rostflecken | Der Lack ist bereits unterwandert | Siehe Rost am Auto entfernen |
Was ist mit Steinschlag und Flugrost?
Ein Steinschlag ist ein kleiner Punktschaden, oft bis auf die Grundierung. Er sollte zeitnah mit Lackstift versorgt werden. Flugrost sind winzige Rostpunkte durch Eisenstaub auf dem Lack, sie sind etwas anderes als ein Kratzer. Der ADAC behandelt ihn in einem eigenen Abschnitt seines Kratzer-Ratgebers.
Wie schützt du den Lack nach der Reparatur?
Wasche schonend, trockne mit sauberem Mikrofasertuch und trage Wachs oder Versiegelung auf. Das ist Ratgeber-Wissen und kein Garantieversprechen: Eine Schutzschicht verhindert Kratzer nicht, macht aber die Pflege leichter. Material zum Nachlesen: Mikrofasertuch und Reinigungsknete für die Vorbereitung.
Häufige Fragen
Wie funktioniert der Fingernagel-Test bei Kratzern?
Du fährst mit dem Fingernagel quer über den Kratzer. Gleitet er darüber, sitzt der Kratzer im Klarlack. Bleibt er hängen, ist es laut Which? mindestens ein mittlerer Kratzer. Zeigt sich im Kratzer eine andere Farbe, ist er bis zur Grundierung oder zum Blech durchgedrungen (ADAC).
Kann man tiefe Kratzer selbst entfernen?
Entfernen lassen sich tiefe Kratzer nicht durch Polieren, weil dort Lack fehlt. Möglich ist das Auffüllen mit einem Lackstift oder ein Smart Repair. Sichtbare Farbabweichungen sind laut ADAC bei punktuellen Reparaturen möglich. Liegt Grundierung oder Blech frei, ist die Werkstatt ratsam, damit nichts rostet.
Hilft Zahnpasta gegen Kratzer im Autolack?
Der ADAC rät davon ab. Sind die Schleifpartikel nicht fein genug, beschädigen sie den Lack zusätzlich, und es fehlt das Finish, das die Stelle schützt. Eine Autopolitur ist für den Zweck gemacht und die bessere Wahl.
Entfernt WD-40 Kratzer vom Auto?
Nein, es versteckt sie nur. In einem Vergleich von Which? brauchte WD-40 vier Anwendungen für einen sichtbaren Effekt und war nach der ersten Wäsche wieder weg. Als dauerhafte Reparatur taugt es nicht.
Wie entferne ich Kratzer auf Kunststoff im Auto?
Bei lackierten Stoßfängern gehst du vor wie beim Lack. Bei unlackiertem Kunststoff außen sind graue Schleier oft UV-Schäden, die Reinigung und Auffrischer lindern. Innen reinigst du Hochglanzblenden nur feucht mit Mikrofasertuch. Tiefe Kratzer sind laut Werkstattquelle nur begrenzt korrigierbar.
Wann sollte ich mit einem Kratzer zur Werkstatt?
Sobald eine andere Farbe oder Metall sichtbar wird, der Schaden großflächig ist oder Rost entsteht. Der ADAC warnt, dass unbehandelte Kratzer bis zur Grundierung mit der Zeit rosten und dann eine deutlich aufwendigere Reparatur nötig wird.
Wie viele Kratzerentferner-Anwendungen sind nötig?
Which? stellte fest, dass viele Produkte mehr als eine Anwendung brauchen, um flache Kratzer zu beseitigen. Prüfe nach jeder Runde bei Tageslicht und poliere nicht mehr als nötig, denn jede Politur trägt Klarlack ab.
Passende Produkte aus unserer Bestenliste
Zum vollständigen Vergleich →


Quellen
- ADAC: Kratzer im Autolack, selbst entfernen oder nicht? (01.04.2026)
- Auto Bild: Kratzerentferner im Test (mit KÜS, Test 2022, Artikel aktualisiert) (19.05.2026)
- t-online: Kratzer am Auto entfernen, beste Produkte (Bericht über einen Test von auto motor und sport) (aktualisiert 18.02.2026)
- Which?: Does WD-40 remove car scratches? Things we learned testing car scratch removers (02.2021)
- Auto Zeitung: Auto-Lackversiegelung, Alles über Nano, Keramik und Wachs (Hinweis zur Reinigungsknete) (04.04.2025)
- AutoScout24: Flugrost am Auto entfernen, Der große Ratgeber (Hinweis zur Reinigungsknete) (26.03.2019)
- Heidelberg24: Kratzer im Autolack, ADAC rät von beliebten Hausmitteln ab (25.05.2022)
- KFZ Dietrich: Lackdickenmessung in der Werkstatt (Werkstattquelle zu typischem Lackaufbau) (abgerufen Oktober 2026)
- KFZ Dietrich: Kunststoff am Auto reinigen und pflegen (Werkstattquelle) (abgerufen Oktober 2026)
- NonPaints: Stoßstange selbst reparieren (Händler-Ratgeber, nur zur Orientierung) (abgerufen Oktober 2026)






